Mundartabend begeistert - Zusatztermin ausverkauft
„Woas iem Dorf so all bassiert“: Herbert Meyer und Gerhard Wächter sorgten mit Geschichten, Gedichten und viel oberhessischem Humor für einen unterhaltsamen Abend. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Veranstaltung am 18. Dezember wiederholt.
Ein Abend voller Erinnerungen, humorvoller Geschichten und echter oberhessischer Mundart: Am vergangenen Donnerstag verwandelte sich die neue Gemeindebücherei Wölfersheim in einen Treffpunkt für Freunde der heimischen Sprache. Unter dem Titel „Woas iem Dorf so all bassiert“ nahmen Herbert Meyer und Gerhard Wächter ihr Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch den dörflichen Alltag, regionale Eigenheiten und die sprachlichen Besonderheiten der Wetterau. Die Veranstaltung war bereits im Vorfeld restlos ausverkauft. Aufgrund der großen Nachfrage und der durchweg positiven Resonanz steht inzwischen fest, dass der Mundartabend am 18. Dezember um 19 Uhr wiederholt wird.
Bewusst hatte sich die Gemeinde für einen kleinen, persönlichen Rahmen entschieden. Inmitten der Bücher und ganz ohne Mikrofone oder technische Verstärkung entstand eine besondere Atmosphäre, die hervorragend zum Programm passte. Statt einer klassischen Lesung erwartete die Gäste ein abwechslungsreicher Abend, bei dem sich Geschichten, Gedichte, humorvolle Dialoge und musikalische Beiträge abwechselten.
Zu Beginn begrüßte Bürgermeister Eike See die Besucherinnen und Besucher und dankte den beiden Akteuren für ihre Bereitschaft, den Abend zu gestalten. Bereits bei der Eröffnung der neuen Gemeindebücherei hatten Meyer und Wächter mit einem Mundartbeitrag für Begeisterung gesorgt. Umso erfreulicher sei es, dass sich die beiden nun für einen eigenen Abend gewinnen ließen. Besonders freute sich See darüber, dass Gerhard Wächter, der sich eigentlich bereits von solchen Auftritten zurückgezogen hatte, noch einmal für eine Lesung zur Verfügung stand. Die große Nachfrage zeige, wie lebendig das Interesse an der heimischen Mundart weiterhin sei.
Eine Reise durch die oberhessische Mundart
Das von Meyer und Wächter zusammengestellte Programm bot einen abwechslungsreichen Streifzug durch die regionale Mundartliteratur. Dabei griffen die beiden auf Texte ganz unterschiedlicher Autoren zurück, die sich über Generationen hinweg mit dem Leben, den Menschen und den Eigenheiten ihrer Heimat beschäftigt haben.
Den Auftakt bildeten Beiträge rund um die Wetterau und ihre Sprache. Mit Texten von Erich Milius, gelesen von Büchereileiterin Desireé Straub, und dem bekannten Mundartdichter Peter Geibel wurde zunächst die regionale Verbundenheit in den Mittelpunkt gestellt.
Geibel, 1841 in Klein-Karben geboren, gehört zu den bekanntesten Vertretern der Wetterauer Mundartdichtung. Seine humorvollen Gedichte halten zahlreiche Beobachtungen aus dem ländlichen Leben des 19. Jahrhunderts fest. Auch seine Liebeserklärung an die Wetterau, „Mein schinste Gruß d‘r Wearreraa“, fand Eingang in das Programm.
Mit „Hej soi eich dehoom“ steuerte Herbert Meyer zudem einen eigenen Text bei. Dass Mundart keineswegs eine starre Sprache ist, sondern sich über Generationen verändert, wurde anschließend auf unterhaltsame Weise deutlich. Typische Redensarten und Dialektwörter standen ebenso im Mittelpunkt wie sprachliche Besonderheiten, die heute teilweise schon in Vergessenheit geraten sind. Dabei durfte auch das Publikum miträtseln und versuchen, die Bedeutung verschiedener Ausdrücke zu entschlüsseln.
Im zweiten Teil rückte der dörfliche Alltag in den Mittelpunkt. Mit Texten von Wilhelm Konrad Philipps, Georg Hess, Emil und Erich Winter sowie weiteren Mundartautoren entstand ein ebenso humorvolles wie liebevolles Bild des früheren Dorflebens. Ob neugierige Nachbarn, kleine Missgeschicke oder alltägliche Begegnungen - viele der geschilderten Situationen dürften den Zuhörerinnen und Zuhörern durchaus bekannt vorgekommen sein.
Besonders die Dialoge boten Meyer und Wächter Gelegenheit, ihr Gespür für die oberhessische Sprache und ihren Humor unter Beweis zu stellen.Mit wechselnden Rollen und pointierten Wortwechseln ließen sie die Figuren der Geschichten lebendig werden. Dabei zeigte sich immer wieder, dass gerade die Mundart über sprachliche Feinheiten und Ausdrucksmöglichkeiten verfügt, die sich nur schwer ins Hochdeutsche übertragen lassen.
Auch Arztbesuche und Krankheiten boten reichlich Stoff für humorvolle Betrachtungen. Geschichten wie „Die Radikalkur“, „Der Hundertjährige“ oder verschiedene Dialoge aus dem Umfeld der „Dokterschleut“ nahmen die kleinen und großen Leiden des Alltags auf die Schippe. Im weiteren Verlauf widmeten sich die beiden Vortragenden schließlich dem Eheleben und seinen Herausforderungen. Texte wie „Reichtum verpflichtet“, „Kindersegen“ oder „E Rezebd“ zeigten, dass zwischenmenschliche Eigenheiten und humorvolle Beobachtungen auch nach vielen Jahrzehnten nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Für musikalische Abwechslung sorgte Sebastian Göbel, Leiter des Bereichs Kultur der Gemeinde Wölfersheim, der mehrere Beiträge auf der Gitarre begleitete. Zum Abschluss wurde es noch einmal gemeinschaftlich, als das Publikum beim Hessenlied zum Mitsingen eingeladen war.
Regionale Spezialitäten rundeten den Abend ab
Auch bei der Bewirtung blieb die Gemeinde dem regionalen Charakter der Veranstaltung treu. Passend zu den Geschichten „uff Platt“ wurden Apfelwein, Apfelsaftschorle, Schmalzbrote und Handkäs angeboten. Letzteren hatte Gemeindepflegerin Doris Schäfer selbst zubereitet und damit einen besonderen kulinarischen Beitrag zum Gelingen des Abends geleistet.
Bürgermeister Eike See dankte neben den beiden Vortragenden insbesondere Büchereileiterin Desireé Straub, Kulturleiter Sebastian Göbel und seiner Mitarbeiterin Vanessa Burba für die Organisation der Veranstaltung. Ein besonderer Dank galt zudem Doris Schäfer für ihre Unterstützung bei der Bewirtung.
Mit dem Mundartabend setzte die Gemeinde zugleich den Startschuss für eine kleine Veranstaltungsreihe in den neuen Räumen der Gemeindebücherei. Die Einrichtung soll künftig nicht nur ein Ort zum Ausleihen und Lesen von Büchern sein, sondern auch ein lebendiger Treffpunkt für Kultur und Begegnungen. Gerade kleinere Veranstaltungen wie dieser Mundartabend bieten die Möglichkeit, Literatur und regionale Kultur in einer persönlichen Atmosphäre zu erleben.
Wiederholung am 18. Dezember - Karten ab sofort erhältlich
Dass dieses Konzept auf großes Interesse stößt, zeigte sich bereits im Vorverkauf. Sämtliche Eintrittskarten für den ersten Mundartabend waren frühzeitig vergriffen. Auch die Rückmeldungen im Anschluss an die Veranstaltung fielen ausgesprochen positiv aus. Deshalb haben sich die Gemeinde sowie Herbert Meyer und Gerhard Wächter dazu entschlossen, den Abend noch einmal anzubieten.
Die Wiederholung von „Woas iem Dorf so all bassiert“ findet am Freitag, 18. Dezember 2026, um 19 Uhr in der Gemeindebücherei Wölfersheim statt.Eintrittskarten sind ab sofort erhältlich. Der reguläre Eintritt kostet 12 Euro, Inhaberinnen und Inhaber eines Büchereiausweises zahlen 10 Euro. Die Einnahmen kommen der Gemeindebücherei zugute. Karten sind über Reservix sowie die Vorverkaufsstellen der Gemeinde erhältlich. Da die Veranstaltung erneut in einem bewusst kleinen Rahmen stattfindet, ist die Zahl der verfügbaren Plätze begrenzt.